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Die Probleme, die uns im Jurastudium begegnen, kann man auf einen ziemlich simplen Nenner reduzieren: Datenfülle und Komplexität.

Die Gründe hierfür sind ebenfalls leicht zu benennen:
Wer sich als Jurist einen Namen machen will, kann dies im Rechtswissenschaftssystem nur durch eine möglichst große Anzahl von Veröffentlichungen. Eigentlich ist zwar zu allen Standards schon alles gesagt. Aber eben noch nicht von allen. Wer schreibt, der bleibt. – Das bedingt die Datenfülle.

Soweit es die Komplexität betrifft, gibt es drei Gründe.

  • Zuerst ist es so, dass nicht alles im Leben einfach ist.
  • Zum Zweiten kann nicht jeder die komplizierten Dinge aus den einfachen erklären.
  • Zum Dritten will das auch gar nicht jeder, denn was einfach klingt, wird oft als anspruchslos abgestempelt.

Was nichts [an Anstrengung] kostet, ist nichts wert. Mit dem Einfachen lässt sich deshalb keine wissenschaftliche Reputation erreichen.

Die Lösung dieser Probleme ist Anliegen der Reihe Das Skript.

  • Das Skript verzichtet bewusst darauf, die Anerkennung des Wissenschaftlers zu finden. Das Skript kann es sich deshalb leisten, einfache Dinge einfach zu erklären und die komplizierten Dinge auf die einfachen zurückzuführen. Dass man dabei den ganzen, klausurrelevanten Stoff versteht, ist das durchaus beabsichtigte Hauptanliegen.
  • Das Skript kann den Fundstellenapparat in überschaubarem Rahmen halten, denn das Einfache braucht keinen Beleg. Es leuchtet auch so ein. Die Belege in diesem Skript sollen deshalb nur die Sicherheit vermitteln, dass juristische Autoritäten (Bundesgerichtshof …) es auch so sehen.
  • Das Skript muss keine wissenschaftliche Auseinandersetzung führen. Es kann deshalb auch klipp und klar sagen, wie man sich in einer Klausur handwerklich am besten verhält, um maximalen Erfolg zu erzielen.

Vor allem aber werden alle Themen stets unter Klausuraspekten beleuchtet. Ich nenne dieses Vorgehen Umzentrieren.

Das Skript liefert also in der Sache keine Erkenntnisse, die man nicht auch woanders herbekommen könnte. Aber die Art, wie es diese Erkenntnisse aufbereitet, kann man woanders nicht bekommen.

Es geht in juristischen Klausuren grundsätzlich um die Darstellung

  • bestimmter Inhalte („Stoff“, „Standardprobleme“ mit „Lösungen“),
  • in bestimmten Reihenfolgen („Aufbauschemata“) und
  • in bestimmten Darstellungsarten („Gutachtenaufbau“ für die Logik und „Gutachtenstil“ für die Formulierungen).

Und deshalb vermittelt das Skript die gebrauchsfertige Kombination Stoff – (in) Aufbau – (mit) Formulierungen. Alles, was man wissen muss, steht dort, wo es hingehört, und so beschrieben, wie es dort hingehört.
Dazu gibt es Aufbauschemata und Formulierungsvorschläge, Musterklausuren und eine Anleitung für die Erstellung von Hausarbeiten.

Gelegentlich lese ich, dieses oder jenes Skript aus der Reihe stelle nur das Einfachste dar oder behandle die Themen nicht vollständig. Dazu zweierlei:

  • Bei meiner Tätigkeit als Prüfer im Ersten Staatsexamen habe ich mich in aller Regel auf den Stoff beschränkt, wie ich ihn in meinen Skripten bringe. – Wir dürfen sicher sein, dass gleichwohl kaum ein Kandidat in der mündlichen Prüfung all die „einfachen“ Fragen beantworten konnte.
  • Es geht mir in allen Skripten wesentlich um Systematik und die Strukturen, wie sie sich aus der Klausurperspektive darstellen.

Was von Vollständigkeit zu halten ist, hat ganz wunderbar Egon Friedell („Kulturgeschichte der Neuzeit, Band 1“) beschrieben:

„In vielen gelehrten Werken findet sich im Vorwort die Bemerkung: „Möglichste Vollständigkeit war natürlich überall angestrebt, ob mir dies restlos gelungen, mögen die verehrten Fachkollegen entscheiden.“ Mein Standpunkt ist nun genau der umgekehrte. Denn ganz abgesehen davon, dass ich die verehrten Fachkollegen natürlich gar nichts entscheiden lasse, möchte ich im Gegenteil sagen: möglichste Unvollständigkeit war überall angestrebt. Man wird vielleicht finden, dies hätte ich gar nicht erst anzustreben brauchen, es wäre mir auch ohne jedes Streben mühelos gelungen. Dennoch verleiht ein solcher bewusster Wille zum Fragment und Ausschnitt, Akt und Torso, Stückwerk und Bruchwerk jeder Darstellung einen ganz besonderen stilistischen Charakter.

Wir können die Welt immer nur unvollständig sehen; sie mit Willen unvollständig zu sehen, macht den künstlerischen Aspekt.“